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Zu den diesjährigen Designtagen in Brandenburg/Potsdam  (2017) wurden wir zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die allgemeine Ausgangsfrage war: Wie ist eine (kreative) Erschließung der ländlichen Gebiete Brandenburgs möglich- ohne viele Millionen in die Hand zu nehmen? Und etwas konkreter und auf unseren Fall bezogen: Wie lässt sich bei einer solchen Erschließung die landschaftsprägende Gebäudesubstanz vieler Gebäude retten? Denn viele Gebäude, die zum kulturellen Erbe Brandenburgs gehören, verkommen, weil sie weder für Privatpersonen noch für Investoren interessant sind.

So war es  zumindestens bei dem Gebäude, welches wir 2012 zum erstenmal besichtigt hatten. Der Investitionsaufwand für eine „Top-Down-Sanierung” in einem Rutsch würde zu teuer werden. Schätzungen lagen bei einigen Millionen.  Ein „Return of Invest” wäre nicht möglich. Und ein sinnvolles Nutzungskonzept für ein solches Haus kann man auch nicht mal so einfach aus dem Ärmel zaubern.  Aber auch für Familien wäre dieses Gebäude zu groß, ressourcenfressend und zeitaufwendig in der Instandsetzung gewesen. Deswegen gab es einen über einjährigen Leerstand.

Was aber möglich ist: Es finden sich Initiatoren statt Investoren. Menschen mit erst noch vagen Ideen, wie so ein Gebäude doch noch sinvoll genutzt werden könnte, die sich aber Zeit nehmen vieles selber zu machen, die unterschiedliche Nutzungen diskutieren und ausprobieren. Und die auch mal ein paar Jahre suchen, um die geeigneten Materialien oder einen passenden  Ersatz zu finden für alte Türen oder Fliesen etc. (deren Kauf im Fachhandel oder dessen Nachbau in etwa das Zehnfache gekostet hätte).

Eine solche Vorgehensweise hat viele Ähnlichkeiten mit Prozessen der Startup-Szene, mit Innovationsmethoden, mit kreativer Projektentwicklung, wie zum Beispiel:

01. Erstmal kleinere, machbare Ziele definieren, diese zügig umsetzen, prüfen ob die Methode oder die Nutzung funktioniert und dann erst die nächsten Zielen anvisieren. (Stichworte: Agile Projektentwicklung, Rapid Prototyping…)

02.  Sich mit anderen vernetzen und diese beteiligen. Gemeinsam Ideen entwickeln, auch abwegigen Ideen nachgehen. (Stichwort Visonierung, Co-Creation …)

03. Klein beginnen, langsam aufbauen und nicht überschulden. Der Treibstoff sind Idealismus, allerdings gepaart mit Pragmatismus (Stichwort: Grasroot Projekt…)

Durch dieses Vorgehen in kleinen Schritten und in Iterationen sammelt man die nötigen Erfahrungen was geht und was nicht. Man lernt das Gebäude immer besser kennen. Gerade zu Anfang macht man vieles verkehrt, schätzt Aufwände falsch ein, verwendet die falschen Materialien, konzipiert die falschen Nutzungen etc.

Aber „Initiatoren” brauchen einen Dialogpartner, der den Fortschritt begleitet und unterstützt. Es sollte auch in seinem Interesse liegen, dass das Projekt gelingt. Derartige Schnittstellen sind in Brandenburg nicht vorhanden.

Eine mögliche Lösung könnte sein: Anwendung des Baurechts mit größerem Interpretationsspielraum und sinnvollen, strukturförderlichen Sonderreglungen im Rahmen einer gesamtheitlicheren Projektbeurteilung. Oder eine übergeordnete Instanz, mit aufgeschlossenen Städteplanern, Architekten.